Ratgeber Diabetes insipidus

Informationen für Betroffene und Angehörige

Entstehung von Diabetes insipidus

Die meisten der in Deutschland circa 5000 von Diabetes insipidus Betroffenen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene oder Patienten, die einer Schädel- oder Hirnoperation unterzogen wurden. Die Erkrankung kann plötzlich auftreten oder sich langsam entwickeln. In den meisten Fällen tritt sie plötzlich auf und die Betroffenen können den Beginn des Auftretens der Symptome genau benennen. Ein Drittel aller Fälle von Diabetes insipidus tritt idiopathisch, das heißt, ohne bekannte Ursache, auf. In diesen Fällen geht man von einer Autoimmunerkrankung aus, bei der Auto-Antikörper gegen die ADH produzierenden Zellen im Hypothalamus gebildet werden.

Ursachen der zentralen Form des Diabetes insipidus

Zu den bekannten Ursachen des Diabetes insipidus centralis, bei dem ADH gar nicht oder nur teilweise vom Körper produziert und in die Nieren transportiert wird, zählen Tumoren und das Gehirn betreffende Operationen, Erkrankungen oder Entzündungen. Tumoren im Zwischenhirn oder an der Hirnanhangdrüse können die Produktion und/oder die Freisetzung von ADH stören. Operationen an der Hypophyse können den gleichen Effekt auslösen. Die Ausschüttung des Hormons wird auch verhindert, wenn die Hirnanhangsdrüse beispielsweise durch Unfallverletzungen wie Schädel-Hirn-Traumata oder Schädelbasisbrüche geschädigt wird. Daneben können Erkrankungen wie Hirnhautentzündung, systemische Erkrankungen wie Tuberkulose oder Sarkoidose (Bindegewebserkrankung), sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphilis sowie die Blockierung der zum Gehirn führenden Arterien die zentrale Form des Diabetes insipidus verursachen.

Psychische Erkrankungen als Ursache

In seltenen Fällen sind psychische Erkrankungen, die starken Durst und entsprechend starke Flüssigkeitsaufnahme und -ausscheidung verursachen (psychogene Polydipsie), dafür verantwortlich, dass der Körper auf ADH nicht mehr reagiert.

Ursachen der renalen Form

Ursachen von renalem Diabetes insipidus, der nicht auf einem Mangel des Hormons ADH beruht, sondern infolgedessen die Nieren das ADH nicht verarbeiten, können Nierenerkrankungen, Vergiftungen, Schwangerschaft oder bestimmte Medikamente sein. Bestimmte Nierenerkrankungen wie Niereninsuffizienz oder Nierenbeckenentzündung schwächen die Wirkung von Vasopressin an der Niere ab. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente wie zum Beispiel Lithium behindern die Funktion des Hormons. Blutveränderungen wie ein erhöhter Eiweißanteil, erhöhte Kalziumwerte oder verminderte Kaliumwerte kommen ebenso als Ursache in Frage. In nur 1 % aller Fälle liegen genetische Ursachen vor. In diesem Fall wird das Ausbleiben der Wirkung von ADH an der Niere meist von der Mutter auf das männliche Kind weitervererbt.

Verlauf und Vorbeugung

Liegt die Ursache des ADH-Mangels nach erfolgreicher Tumorentfernung oder Medikamentenabsetzung nicht mehr vor, kann der Körper die Fähigkeit der Hormonproduktion beziehungsweise die Fähigkeit der Hormonverarbeitung in der Niere wiedererlangen. Produziert der Körper ADH nicht von selber, muss die Erkrankung therapiert werden. Die Vorbeugung eines Diabetes insipidus ist nicht möglich, da in der Regel weder die Entstehung noch die Ursachen der Erkrankung beeinflusst werden können.

Barbara Kliem

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