Ratgeber Diabetes insipidus

Informationen für Betroffene und Angehörige

Diagnose von Diabetes insipidus

Besteht der Verdacht auf einen Diabetes insipidus, wird über mindestens zwei Tage hinweg die tägliche Trink- und Urinmenge überprüft sowie zweimal täglich die Natriumkonzentration im Blut festgestellt. Vorher müssen alle Medikamente, die harntreibend oder harnhemmend wirken, abgesetzt werden. Sollte die Überprüfung eine tägliche Ausscheidung des Urins von unter 2,5 Litern pro 24 Stunden ergeben, ist ein Diabetes insipidus unwahrscheinlich. Liegt die Menge darüber, muss die Ursache der erhöhten Urinabgabe ermittelt werden. Um einen Diabetes mellitus auszuschließen, sollte ein Blutzuckertest durchgeführt werden.

Der Durstversuch zur Diagnosesicherung von Diabetes insipidus

Die gängigste Diagnosesicherung bei Verdacht auf einen Diabetes insipidus ist der sogenannte Durstversuch oder Wasserentzugstest, der nur unter Aufsicht eines Arztes stationär stattfinden sollte. Der Untersuchte wird hierbei einer 6- bis 12-stündigen Durstperiode unterzogen. In dieser Zeit werden regelmäßig das Gewicht, die Urinproduktion und der Natriumwert des Blutes kontrolliert. Wichtigster Kontrollwert ist die Menge bzw. Konzentration der gelösten Teilchen in Blut und Harn, die sogenannte Osmolarität, mit deren Hilfe die Konzentrationsfähigkeit der Nieren überprüft werden kann.

Die Osmolarität gibt Auskunft

Ein stark konzentrierter Harn hat eine hohe Osmolarität. Beim Durstversuch steigt bei gesunden Menschen die Osmolarität des Urins, weil dem Körper kein Wasser zugefügt wird, das den Harn verdünnen kann. Bei Menschen, die an Diabetes insipidus leiden, wird weiterhin eine große Menge unkonzentrierten Harns ausgeschieden, weil durch das Fehlen von ADH kein „Rückhaltemechanismus“ eintritt. Dagegen steigt die Konzentration oder Osmolarität des Blutes durch den Wasserverlust immer weiter an und kann beim Durstversuch durch Trinken nicht ausgeglichen werden.

Bestätigung der Diagnose von Diabetes insipidus durch ADH-Gabe

Um sicherzugehen, dass die weiterhin hohe Urinausscheidung beim Durstversuch ihre Ursache im Diabetes insipidus hat, verabreicht man eine kleine Menge ADH, meist durch Injektion. Verringert sich infolgedessen zeitnah die Urinausscheidung, kann von einem Diabetes insipidus ausgegangen werden. Aufgrund der Austrocknungsgefahr ist der Durstversuch ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht im Rahmen eines stationären Aufenthalts durchzuführen.

Unterscheidung der Diabetes insipidus-Formen

Um einen zentralen von einem renalen Diabetes insipidus zu unterscheiden, wird ADH gegeben. Liegt ein Diabetes insipidus centralis vor, bei dem ADH fehlt, steigt die Urin-Osmolarität nach Gabe des Hormons an. Liegt ein Diabetes insipidus renalis vor, ändert sich die Konzentration des Urins nicht, da die Ursache nicht im Fehlen von ADH liegt, sondern die Nieren nicht in der Lage sind, dieses zu verarbeiten. Um die Ursache der Erkrankung herauszufinden und damit die Form des Diabetes insipidus bestimmen zu können, sollte beispielsweise zur Feststellung von Tumoren, die die zentrale Form verursachen, eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden.

Barbara Kliem

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