Ratgeber Diabetes insipidus

Informationen für Betroffene und Angehörige

Was ist Diabetes insipidus?

Bei Diabetes insipidus, auch Wasserharnruhr genannt, handelt es sich um eine Störung des menschlichen Wasserhaushalts aufgrund eines Mangels des Hormons ADH (antidiuretisches Hormon), welches der der Harnausscheidung entgegenwirkt. Bei Diabetes insipidus handelt es sich daher um eine Hormonmangelerkrankung.

Täglich fließen ca. 1.700 Liter Blut durch beide Nieren eines erwachsenen Menschen. Dabei werden ca. 180 Liter sogenanntes Plasmawasser abfiltriert, die jedoch nicht in die Blase gelangen. Für den Körper unbrauchbare Stoffe werden ausgeschieden, brauchbare Stoffe wie Wasser gelangen zurück in den Körper. ADH greift an dieser Stelle regulativ in den Wasserhaushalt ein und holt mit 90 % den größten Teil dieses Wassers aus den sogenannten Nierenkanälchen zurück in den Blutkreislauf.

Antidiuretisches Hormon (ADH)

Das Antidiuretische Hormon, das auch Vasopressin genannt wird, ist ein Effektorhormon, das im Zwischenhirn (Hypothalamus) gebildet und in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gespeichert wird. Von dort wird es im Blut zu den Nieren transportiert und steuert dort die Konzentration des Harns und damit die Flüssigkeitsausscheidung, indem es Wasser zurückhält. So bewahrt das Antidiuretische Hormon den Körper bei wenig Flüssigkeitszufuhr davor, zuviel Wasser zu verlieren. Bei hoher Flüssigkeitszufuhr stellt die Hirnanhangsdrüse die Abgabe von ADH ein und ermöglicht eine vermehrte Ausscheidung an Urin.

Bei Diabetes insipidus funktioniert dieser Vorgang im Körper nicht mehr einwandfrei. Die Entstehung von Diabetes insipidus geht entweder mit einem Mangel an ADH einher oder ADH ist vorhanden, aber die Niere reagiert nicht mehr auf das Hormon. Je nachdem welche Ursache der Störung zugrunde liegt, unterscheidet man zwei Formen von Diabetes insipidus: Diabetes insipidus centralis und Diabetes insipidus renalis. Eine Sonderform ist der Gestationsdiabetes insipidus, der nur in der Schwangerschaft auftritt.

Wie macht sich Diabetes insipidus bemerkbar?

Bei einem Mangel an ADH oder wenn das antidiuretische Hormon seine Wirkung nicht entfalten kann, spricht man Diabetes insipidus. Es kommt in der Folge zu Symptomen wie einer vermehrten Harnausscheidung (Polyurie) und einem starken, andauernden Durstgefühl (Polydipsie). Wenn es speziell in der Nacht zu verstärktem Harndrang kommt, spricht man von Nykturie. Patienten, die eine Polyurie und/oder Polydipsie bemerken, sollten einen Arzt konsultieren. Zur Diagnose von Diabetes insipidus wird meist ein sogenannter Durstversuch durchgeführt. Dabei darf der Patient für eine bestimmte Zeitspanne nichts trinken. In dieser Zeit werden sowohl das Gewicht als auch die Blut- und Urinwerte des Patienten immer wieder ärztlich kontrolliert. Der Durstversuch darf nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Behandlung richtet sich nach der Form von Diabetes insipidus

Bei der Wahl der Therapie ist es entscheidend, ob ein Diabetes insipidus centralis und Diabetes insipidus renalis vorliegt. Da bei Diabetes insipidus centralis nur noch wenig oder gar kein ADH mehr hergestellt wird, kann das Hormon von außen zugeführt werden. Das antidiuretische Hormon kann in natürlicher Form oder synthetisch hergestellt als Desmopressin verabreicht werden. Desmopressin ähnelt in seiner Struktur dem körpereigenen Vasopressin. Die zentrale Aufgabe von Desmopressin ist es, die Wasserausscheidung zu hemmen. Bei einer leichten Form können unter Umständen auch Anti-Epileptika zur Therapie eingenommen werden. Bei Diabetes insipidus renalis werden in der Regel Thiaziddiuretika gegeben. Außerdem sollte man auf eine kochsalzarme Ernährung achten.

Barbara Kliem