Ratgeber Diabetes insipidus
Informationen für Betroffene und Angehörige
Was ist Diabetes insipidus?
Beim Diabetes insipidus, auch Wasserharnruhr genannt, handelt es sich um eine Störung des menschlichen Wasserhaushalts aufgrund eines Mangels des Hormons ADH (antidiuretisches, der Harnausscheidung entgegen wirkendes Hormon). ADH, das auch Vasopressin genannt wird, ist ein Effektorhormon, das im Zwischenhirn (Hypothalamus) gebildet und in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gespeichert wird. Von dort wird es im Blut zu den Nieren transportiert und steuert dort die Konzentration des Harns und damit die Flüssigkeitsausscheidung, indem es Wasser zurückhält So bewahrt ADH den Körper bei wenig Flüssigkeitszufuhr davor, zuviel Wasser zu verlieren. Bei hoher Flüssigkeitszufuhr stellt die Hirnanhangdrüse die Abgabe von ADH ein und ermöglicht eine vermehrte Ausscheidung an Urin. Fehlt dieses Hormon, sind die Nieren nicht in der Lage, Wasser wieder aufzunehmen (Rückresorption) und den Harn zu konzentrieren. Dadurch scheiden die Betroffenen bis zu 15 Liter Urin innerhalb von 24 Stunden im Vergleich zu 1–1,5 Liter bei einem gesunden Erwachsenen aus und leiden unter einem ständigen Durstgefühl, das tagsüber und nachts gleichermaßen auftritt. Wird der Flüssigkeitsverlust nicht permanent ausgeglichen – in der Regel durch exzessives Trinken von bis zu 15 Liter pro Tag –, tritt ein Flüssigkeitsmangel ein, der zur Austrocknung des Körpers durch die Konzentrierung von Natrium im Blut führen kann (Hypernatriämie).
Diabetes insipidus centralis und Diabetes insipidus renalis
Man unterscheidet je nach Ursache der Störung zwei unterschiedliche Formen des Diabetes insipidus: den zentralen Diabetes insipidus und den renalen oder nephrogenen Diabetes insipidus. Im ersten Fall handelt es sich um einen völligen oder teilweisen Mangel an ADH, der temporär oder dauerhaft auftreten kann. In diesem Fall produziert der Hypothalamus zu wenig ADH oder die Hypophyse gibt zu wenig ADH ans Blut ab. Bei der zweiten Form ist ADH ausreichend vorhanden, die Nieren sind jedoch nicht in der Lage, es zu verarbeiten und entwickeln eine sogenannte Endorganresistenz. Der Diabetes insipidus centralis ist die häufigere Form der Erkrankung. Von dem als Zuckerkrankheit bekannten Diabetes mellitus, der auf einer Störung der Insulinproduktion beziehungsweise -verarbeitung beruht, ist der Diabetes insipidus unabhängig, wenn sich auch einige der Symptome wie ständiges Durstgefühl und häufiges Wasserlassen überschneiden.
Beschwerden bei Flüssigkeitsmangel
Neben der übermäßigen Harnausscheidung und dem ständigen Durstgefühl – beides führt zu einer massiven Beeinträchtigung von Nachtruhe und (Arbeits-)Alltag –, verursacht der Flüssigkeitsmangel im Körper weitere Beschwerden. Betroffene leiden unter trockener Haut und trockenen Schleimhäuten, Verstopfung, Schlafstörungen, niedrigem Blutdruck und Gereiztheit. Beginnende Austrocknung führt zu zunehmender Verwirrtheit und Muskelkrämpfen. Tritt der Diabetes insipidus bei Säuglingen auf, können diese unter Durstfieber leiden.
Barbara Kliem